Arena
Die Steinmonster sind geschlagen! Mit gemeinsamen Kräften ist es uns tatsächlich gelungen, die beiden geflügelten Biester und die riesige Statue zu Kieselsteinen zu verarbeiten. Als Belohnung gewinnen wir einen Durchgang in eine noch größere Kammer. Doch in dieser Höhle wird es ziemlich zügig ziemlich zugig – ein peitschender Sand-Mahlstrom mitten im tiefsten Untergrund? Das kann doch unmöglich mit rechten Dingen zugehen?
Tut es natürlich nicht. Warum auch. Wir befinden uns schließlich im mutmaßlichen Hort einer uralten blauen Drachin. Da gehören Gewitter im Wohnzimmer scheinbar zum guten Ton – stilecht mit einem waschechten Sand-Hurrikan. Der wirbelt die Tall Hunters so richtig durcheinander; einer nach dem anderen wird von den heulenden Winden aufgesaugt und davongepeitscht. Nur der große Trägerzwerg und ich bleiben irgendwie standhaft und verkriechen uns instinktiv im Schatten des Felses. Ob unsere Gefährten überhaupt noch am Leben sind, nachdem sie buchstäblich vom Angesicht der Eingeweide einer toten Stadt gefegt wurden?
Sie sind es, unkrautartig wie sie nun mal sind. Weil der Trägerzwerg und ich uns mucksmäuschenstill verhalten, entkommen wir ein paar dieser wirbelnden Sandviecher, die im Staub nach uns jagen. Die anderen behaupten zwar, dass uns die Drachin wegen unserer Schutzzauber nicht direkt orten kann, aber der lebendige Sand hält für Iymrith die Augen offen. Es ist also keine Frage des Ob, sondern nur des Wann, bis die Falle zuschnappt. Wie viel Sand wohl noch durch diesen Untergrund rinnt, bevor man uns entdeckt?
Nicht besonders viel, fürchte ich. Die Winde haben die anderen direkt in die Nähe der alten Arena von Eileanar gesaugt, und der inzwischen gar nicht mehr so riesige Trägerzwerg und ich sind schließlich hinterhergesprungen. Vor uns liegt sie also: die monumentale Kampfstätte. Und genau in ihrer Mitte thront die versteinerte Statue des verschollenen Riesenkönigs Hekaton. Das ist so offensichtlich eine Falle, dass es fast schon wehtut – die zwölf gigantischen Gladiatorenstatuen rund um das Rund sind doch mit absoluter Sicherheit die nächsten Golems, die nur auf ein Signal warten. Die ganze Arena wirkt verdächtig makellos erhalten, und dort oben, in der schattigen Ehrenloge, sitzt doch jemand und starrt auf uns herab… Ist das bereits Iymrith?
Wir trauen uns trotzdem weiter vor, Schritt für Schritt. Um den versteinerten Sturmriesenkönig flimmert ein violettes, magisches Feld – eine arkanische Mauer, die uns ganz klar daran hindern soll, Hekaton einfach zu berühren, während wir gleichzeitig eine perfekte Zielscheibe abgeben. Das hält die Tall Hunters natürlich kein bisschen davon ab, sehenden Auges in ihr Verderben zu rennen. Irgendjemand murmelt so etwas Klugscheißerisches wie: „Wenn man weiß, dass es eine Falle ist, dann ist es keine Falle mehr.“ Kommt mir als Eichhörnchen ehrlich gesagt überhaupt nicht logisch vor. Wann genau werden uns die Blitze der blauen Königin zu Asche brennen?
Noch tun sie es nicht, obwohl ich jeden Herzschlag darauf warte. Stattdessen versuchen der Finsterelf und die Silberprinzessin die drei unheimlichen Stelen zu sabotieren, die das magische Feld vor Hekaton aufspannen. Der Zauber des Finsterelfen scheint tatsächlich eine Wirkung hinterlassen zu haben, aber abgesehen von einem gefährlichen, elektrischen Knistern in den Runen passiert… nichts. Kein Drache bricht durch die Decke, kein sofortiger Gegenangriff. Ist die Bestie am Ende vielleicht gar nicht zu Hause?
So viel Glück werden wir in diesem Leben nicht mehr haben. Der Riesenkobold hat sich mittels eines Riesentrunks noch gigantischer gemacht und drischt mit schierer Brutalität auf eine der Gladiatorenstatuen ein. Tja, jetzt hat er das Steingebilde erfolgreich geärgert – und der Koloss holt bereits aus, um ganz gewaltig zurückzuärgern. Ich schlucke schwer und klammere mich fest. Sollte ich mich vielleicht langsam nach einem sehr kleinen, sehr sicheren Fluchtweg umsehen?