Eileanar

Wir sehen die Prinzessin wieder. Sie ist aber recht angespannt. Was daran liegen wird, dass ihr Teil unserer Expeditionsgruppe von einem blauen Drachen aufgespürt und in eine Auseinandersetzung gezwungen worden ist. Der Riesenkobold und der Hibbelgnom wirken ein wenig zerzaust, aber alle, inklusive der königlichen Leibwächter Cog und Tug, sind noch am Leben. Aber wie lange noch, wenn uns jetzt schon ein Drache an den Fersen klebt?

Das möchte selbst die Riesenprinzessin nicht herausfinden und teleportiert uns kurzerhand zurück zu den Harpells. Wir erzählen von der zerklüfteten Hochebene und dem mysteriösen Gebilde in der Ferne, das so aussieht, als ob drei Quader ein Tor bilden. Serissa fordert von Penelope weitere Gegenstände, um eine Ausspähung zu verhindern und zusammen mit einem Artefakt aus dem Besitz der Tall Hunters kommen wir so auf insgesamt fünf Schutzzauber. Nur genug für die Hälfte der Anhängerschaft der Prinzessin, also uns miteingeschlossen. Was nun?

Wir teilen uns erneut auf. Diesmal bleiben Trägerzwerg, Finsterelf, Riesenkobold, Hibbelgnom und Silberprinzessin zusammen. Die Riesen und Lysaleth bilden die zweite Gruppe. Aufgabe der Riesen ist es für Ablenkung zu sorgen und uns mehr Freiheiten beim Kundschaften zu geben. Deswegen bekommen wir auch die ganzen Gegenstände, die uns vor Ausspähung schützen sollen. Besser wäre es, wir würden vor den Blitzen von blauen Drachen geschützt, aber wie üblich fragt niemand nach meiner Meinung. Wir teleportieren zurück ins feindliche Gebiet. Und trennen uns nach Plan auf. Wie lange werden wir wohl ohne Fluchtmöglichkeit durch den Teleportationszauber von Serissa überleben?

Zumindest mal einen Tag. Ich denke sowieso immer nur an den nächsten Tag. Wie so ein Schritt nach dem anderen. Bleibt einem ja auch nix anderes übrig. Wir kommen langsam voran. Die Zweibeiner müssen sich alle paar Meter ganz schön anstrengen, um die tiefen Gräben zu überwinden, die sich in diesem zerklüfteten Land überall um uns herum auftun. Es ist gewissermaßen so, also ob wir von einer Plattform auf eine andere springen müssen. Und die Gräben dazwischen sind wirklich tief. Ich frage mich, was dazu geführt hat, dass diese Hochebene so aussieht wie sie aussieht. Gab es hier ein Erdbeben?

Landschaft mit tiefen Gräben

Wirklich klar wird das nicht, aber das Bauwerk kommt in Sicht. Zwei Quader von 10 Fuß Breite wie Länge und einer Höhe von bestimmt über 30 Fuß stehen senkrecht im Boden, halten einen dritten Quader ähnlicher Größe in der Höhe und bilden dadurch eine Art Tor. Das einzige Bauwerk weit und breit. Mysteriös! Als wir näherkommen können wir Reliefs auf den Quadern erkennen. Figuren, in die Edelsteine eingearbeitet sind. Dutzende Figuren und Hunderte von Edelsteinen. Und Wörter in der alten Sprache des untergegangenen Reiches Nesseril. Der Trägerzwerg ist ganz begeistert von dem Fund. Über zweitausend Jahre soll der Untergang dieses Reiches her sein. Glaub ich nicht, das “Tor” sieht nagelneu aus. Wie wenn gestern der Steinmetz hier gewesen ist. Ganz klar verdächtig. Verdächtig und unheimlich. Es wurde auch immer dunkler und dämmriger als wir uns dem Bauwerk genähert sind. Ist hier finstere Magie am Werk?

Nein. Das Wetter schlägt um. Wir waren sehr auf die einzige Landmarke in der Umgebung konzentriert, dass wir das Wetter ein wenig aus den Augen verloren haben. Dunkle Wolken sind um uns herum am Himmel erschienen. Ein Sturm zieht auf. Es wird noch kälter am Anauroch-Kamm. Das Quadertor könnte uns Schutz bieten und so nähern wir bis auf wenige Schritt an. Noch bleibt Zeit, bis der Sturm uns erreicht. Ein tollkühner Versuch einen Edelstein zu lösen, scheitert und hinterlässt nicht mal einen Kratzer. Der Finsterelf murmelt seine Zauber, um herauszufinden, ob die Quadersteine irgendwie magisch sind. Was findet er heraus?

Klar sind die magisch, wie sollte es auch anders sein. Da hätte ich jetzt keine Murmelmagie für gebraucht. Andererseits will ich ihm zugestehen, dass es jetzt eine Theorie für den Verwendungszweck gibt: das ganze Teil ist ein Portal und es wird nur funktionieren, wenn es mit Energie aufgeladen ist. Und die Edelsteine speichern diese Energie, nicht unähnlich zu einem der Steine, die er bei sich trägt. Mit einem Zauber gelingt es sogar einen der Steine schwach zum Leuchten zu bringen. Einer von Hunderten? Das kann dauern und so viel Zeit haben wir nicht. Blitze und Donner zerreißen schon die nähere Umgebung und schließlich fallen Hagelkörner. Wir flüchten zusammen unter das Dach des Quadertores und der Finsterelf beginnt erneut einen Zauber zu murmeln. Das dauert immer endlos bei dem! Blitze schlagen um uns herum ein, so als ob Dutzende Blauer Drachen uns auf einmal rösten wollen. Mein Fell steht in alle Richtungen ab. Wann ist der Murmelelf endlich fertig?

Geschafft! Und gerade noch rechtzeitig, bevor wir alle durch die Blitze zu Staub zerfallen sind! Wir kauern uns in der magischen Schutzhütte zusammen und zittern. Ich glaube ja nicht, dass diese winzige Barriere uns retten kann. Hoffentlich ist der Bruder des Trägerzwergs ein besserer Magier als ich das von ihm denke, sinniere ich so und kann selbst nicht glauben, dass wir das Überstehen. Doch wir tun das. Als das Unwetter vorbei ist und wir einen Blick nach draußen wagen, leuchten die Edelsteine an den Quadern in allen Farben des Regenbogens. Wie schön! Und wie aktiviert man jetzt das vermutete Portal?

Mit Musik. Verrät uns Dawnbringer, die engelsgleiche Gebieterin vom Riesenkobold, welche von eben diesem Beschworen worden ist. Sie kommt nach eigenen Angaben aus dem Nesserreich und erläutert dem Hibbelgnom die Tonfolge, die dieser mit Hilfe seiner lustigen Spielzeuge erzeugen kann. Nach ein paar Versuchen wird es schlagartig warm. Wir stehen inmitten des Quadertores. Aber nicht mehr auf einer zerklüfteten Hochebene, sondern auf einem wunderschönen Platz einer Stadt. Mit Springbrunnen, feinen Kieswegen, eleganten Gebäuden und hoch aufragenden Türmen. Und Menschen. Menschen, die Sänften über den Platz und die Wege tragen. Menschen, die im Schatten von niedrigen Bäumen im Gras sitzen und lesen. Oder schwatzen. Das uns ausgerechnet die Menschen mit den Speeren als erstes bemerken, dürfte unser besonderes Glück sein. Sie sprechen uns barsch an, doch ich verstehe kein Wort, was wollen die von uns?

Der Trägerzwerg versteht sie, nachdem er schnell einen Zauber wirkt. Sie wären die Wachen einer Universität oder so und wir dürften hier nicht einfach so her teleportieren. Als ob wir das wüssten! Sie wollen uns verhaften, doch bevor es so weit kommt hält eine Sänfte in der Nähe an und ein Engel einsteigt elegant der Sänfte. Ihr langes goldenes Haar ist so kunstvoll frisiert, das muss Stunden gedauert haben. Sie ist eine wandelnde Schmuckausstellung, so viel Gold und Geschmeide trägt sie. Auch an den unmöglichsten Stellen, was man deswegen sehen kann, weil ihre Tunika obszön durchscheinend ist. Doch anstatt Anstoß an ihrem Auftritt zu nehmen, sind unsere Wächter schlagartig recht eingeschüchtert und verbeugen sich hastig vor dem Neuankömmling. Während der Finsterelf den Wert des Geschmeides abschätzt, fällt der Blick des Riesenkobolds auf den Schwertgriff ohne Schwert, der an einem Gürtel aus goldenen Ringen an ihrer Seite baumelt. Ihm fallen fast die Augen aus! Was ist denn mit dem los?

Brysis

Ich hab keine Ahnung aber der Engel spricht unsere Sprache. Wenn auch mit einem seltsamen Akzent. Sie mustert meine Gefährten mit Augen in einer Farbe, die an die orangene Glut der untergehenden Sonne erinnert. Wir erklären knapp, dass wir durch ein Portal hierhergekommen sind und stellen uns vor. Und als sie uns ihren Namen nennt, wirkt nicht nur der Riesenkobold schockiert. Sie sei Brysis von Khaem. Wer in den Neun Höllen soll das sein?!