Glibberkeller


Alla Arandil Finufaranell,

es kam, wie ich zuletzt vermutet hatte: die Geflüchteten haben sich in die Eingangshalle der Gruft der Brysis von Khaem zurückgezogen. Der Raum mit dem Diorama. Erschöpft hockten sie sich auf den Boden und begutachteten ihre Wunden und ihre Fundsachen. Wobei, so richtige “Wunden” waren das nicht unbedingt, abgesehen von den Verbrennungen, die der Feuerball hinterlassen hatte. Die meisten waren richtig ausgezehrt, so wie wenn Untote die Lebenskraft aus einem herausgesaugt hätten. Mmmh. Ach, so ist es ja auch gewesen.

Zugegeben, selbst ich war ein wenig müde. Also rollte ich mich draußen in einer kleinen Felsspalte zusammen, um ein kleines Nickerchen zu halten.

Die Pause hat uns allen gut getan. Die Leute diskutierten schon wieder sehr lebhaft. Leider über einen rätselhaften Umstand. Sarith und Hocker sind verschwunden. Und Jimjar und Paggen wurden scheinbar vergiftet. Mit dem Gift der Drow! Der verräterische Dunkelelf Sarith hat sich aus dem Staub gemacht. Und den kleinen Pilzling mitgenommen. Hoffentlich nicht als Wegproviant. Anselma ist sauer und ich glaube das ist jetzt die zweite Frau, die Sarith entweder aufschlitzen oder in einen Drider verwandeln möchte.

Schnell sammelten die übrig gebliebenen, ehemaligen Gefangenen ihre Habseligkeiten ein. Mit Belustigung habe ich die die kurze Diskussion zwischen Snake Eyes und Dawnbringer verfolgt, der die alte Klinge überzeugen wollte das Licht auszumachen. Immerhin erreichte er den Kompromiss, dass sie ihre Helligkeit eher nach dem Licht der Sterne über Silbrigmond orientierte, als an der Mittagssonne der Anauroch. Für das ganze Gold und die vielen Schätze in der Gruft blieb keine Zeit mehr. Ich vermute Yuk Yuk und Spiderbait werden noch ihre Freude mit diesem Ort haben. Sie schnappten sich also nur eine Handvoll Münzen aus den Gräbern und nahmen den schnellsten Weg durch enge Tunnel in Richtung Darklake. Sarith und Hocker hinterher.

The Silken Paths

Die beiden Goblin-Netzläufer verabschiedeten sich von den Geflüchteten. Yuk Yuk sagt zum Abschied, “Grüßt Ným schön von uns!”. Idioten.

Diese engen Tunnel sind schwierig. Obwohl ich ja an sich bereits entdeckt worden bin, scheint meine Theorie zu stimmen. Die halten mich vielleicht doch für eine seltsame magische Erscheinung als Nebeneffekt des Faerzress. Also bleibe ich vorsichtig und halte Abstand.

Die Erde bebt immer mal wieder, Feuchtigkeit ist in den Wänden und ich hab ein beklemmendes Gefühl. Ein starkes Beben lässt die Tunnel vor mir einstürzen. Die Geflüchteten wurden vom Erdboden verschluckt! Verflixt!

Ich denke nach. Der Tunnel vor mir ist nach unten abgesackt. Nach oben sind mehrere kleine Öffnungen entstanden, nur so ein, zwei oder drei Zoll im Durchmesser. Überall rinnt Wasser zwischen dem Gestein und lehmiger Erde. Nach unten verschließt Kies und Dreck meinen Weg, um nach den Eingestürzten zu suchen. Bei Tymoras kleinem Zeh, jetzt wird uns Dawnbringer etwa nicht schon wieder verschütt gehen!? Ich verwandele mich in eine Eidechse, wirke eine Mage Hand und grabe mich mit der Unterstützung der magischen Hand nach unten. Das funktioniert nur so mäßig gut. Ich komme recht langsam voran. Das Gestein wird gröber und so habe ich eine andere Idee. Ich rufe ein Arcane Eye aus einem der Zauberjuwele hervor, die du mir mitgegeben hast und lasse es zwischen den Gesteinsbrocken hindurchschweben.

Das magische Auge erreicht den abgesackten Gang und tatsächlich: da sind sie! Dawnbringers Licht ist weithin zu sehen. Ihnen ist wohl nichts Schlimmes zugestoßen, wenn auch von Shuushar und Buppido keine Spur zu sehen ist.

Ich bewege das Auge näher an das Licht des magischen Schwertes und kann so ein paar Details erkennen. Ganz schön schmutzig sind die Leute und irgendwie auch eingeschleimt. Der Ort ist seltsam. Ein dunkler, feuchter Keller. Keine natürliche Höhle. Die Geflüchteten bewegen sich durch den Kellergang, vor ihnen schwebt ein Skelett in der Luft und wackelt komisch. Nein, das Skelett schwebt nicht, es steckt in einem Glibberwürfel! Und die Leutchen wirken zwar angespannt, aber sie scheinen irgendwie mit dem Glibber unter einer Decke zu stecken. Das wird immer seltsamer! Träume ich?!

Glabbagool

Sie kommen an einer ungewöhnlichen Konstruktion des Kellers an. Vier identisch gearbeitete Gänge gehen parallel weiter in eine Richtung. An den Seiten befinden sich Symbole von Wellen und Tentakeln. Hatte ich schon erwähnt, dass ich das gruselig finde? Gut, dass ich da nicht wirklich vor Ort bin, sondern nur mein magisches Auge. Auf der anderen Seite hat das Erdbeben eine weitere Lücke gerissen, durch die Wasser unaufhörlich in den Keller strömt. In dem so geschaffenen Durchgang kann man bis zu einem dunklen Tümpel weiterwaten, in dem sich das Wasser wohl auch sammelt. Die Lücke im Fels wird immer weiter, so weit, dass man die Decke gar nicht mehr sehen kann. Ich lasse das Auge ein wenig nach oben fliegen, doch auch nach mehreren Dutzend Metern geht es immer noch weiter. Unter mir ist das Licht wieder verschwunden, die Leute müssen sich wieder den vier Gängen zugewandt haben. Also zurück.

Gerade noch rechtzeitig kann ich sehen, wie Anselma von Paggen zappelnd aus einer Fallgrube gezogen wird. Schwarze Tentakel greifen aus dem dunklen Loch nach den beiden! Schnell nehmen die sechs Kellerkinder und ihr Glibberwürfel einen der anderen Gänge. Gumba Kahn war es diesmal, der fast in einer Tentakelgrube gelandet wäre. Eine, mit modrigem Schimmel überzogene Steintür befindet sich am Ende des Ganges, sie stürmten hindurch und sind - in einer Sackgasse!

Ein alter Brunnen mit flachem, abgestanden aussehendem Wasser befindet sich in mitten eines grob achteckigen Raumes. Auf dem Brunnen stand einstmals eine Statue, die übriggebliebenen, dämonischen Klauenfüße, die in abgebrochenen Stümpfen enden, deuten deutlich darauf hin. Sieben Nischen sind in die acht Wände eingelassen. Aus einer Nische rinnt Wasser in den etwa 20 Fuß durchmessenden Kellerraum. Die beiden Nischen rechts und links daneben sind leer. In den übrigen vier Nischen befinden sich formlose Skulpturen, so ähnlich wie Stalagmiten.

Sie ver­bar­ri­ka­die­ren die Türe und schnaufen durch. Ob das die dunklen, schwarzen Tentakel aufhalten wird? Und wie kommen sie hier nur wieder raus? Ich bin wirklich ganz froh, dass ich in einem dreckigen, aber sicheren Loch weit entfernt von Glibber, Schimmel und Tentakeln hocke.

Namárië

-Ným