Haus Khaem
Brysis von Khaem ist also eine Untote. Oder war eine Untote. Oder wird eine Untote sein. Mir tut jetzt schon wieder der Kopf weh. Wir sind in der Zeit zurückgereist und befinden uns jetzt in einer der fliegenden Städte des Nesserreiches. So erklären es sich zumindest die meisten der Tall Hunters. Oder ist das nur ein Traum oder eine Vision?
Offenbar ist eine Zeitreise - egal wie doof sich das anhört - die plausible Erklärung dafür, was mit uns Geschehen ist, als wir das Tor in der Nähe von Ascor aktiviert haben. Das erfahren wir bei einem Abendessen im Palast der schönen Brysis. Dort hinzukommen war schon ein Abenteuer für sich. Erst hat sie uns in einen dunklen Raum teleportiert, den der Trägerzwerg hell gekriegt hat. Dann hat uns ein türkiser Schwebeheini unsere Gästezimmer in diesem Palast gezeigt. Die haben hier künstlichen Regen! Es ist schön warm. Und es riecht so gut, wie wenn man mitten in einer Blumenwiese liegen würde. Mir ist trotzdem nicht ganz geheuer, weil mir nie ganz geheuer ist. Wir sollen uns zum Abendessen fertig machen. Die Klamotten, die hier üblich zu sein scheinen, hätten meiner Mutter ganz sicher die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Der Trägerzwerg setzt dem ganzen noch eins auf und “kleidet” sich komplett in Gemüse. Ich bin konsterniert. Der Finsterelf andererseits wirkt einen lustigen Zauber. Danach kann ich mit allen Tall Hunters mit meinen Gedanken reden. Das ist famos! Hätte ich gar nicht gedacht, dass der sowas kann! Derart vorbereitet und gewandet erscheinen die Tall Hunters also zu dem Abendessen mit der Hausherrin. Inzwischen habe ich bestimmt ein halbes Dutzend Diener gezählt. Das, und die ganzen Kunstwerke überall in diesen riesigen Räumen, diese geschnitzten Möbel aus glänzendem Holz, all das zeigt einen Reichtum, den ich nur aus Märchen kenne. Nur diese glatten Böden aus Steinkacheln finde ich zwar hübsch, aber unpraktisch. Kann doch kein Hörnchen drauf laufen, wie macht das eigentlich diese Brysis mit ihren seltsamen hohen Schuhen?
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Habe ich leider nicht so richtig gesehen, weil wir vor ihr im Speiseraum sind. Wie gesagt, die Hausherrin ist der Auffassung, dass wir tatsächlich Zeitreisende sind. Und sie will uns helfen, zurück in unsere Zeit zu kommen. Für einen kleinen Gefallen. Und dieser Gefallen ist ein Auftragsmord! Ich bin schockiert. Die Silberritterin und der Riesenkobold sind auch schockiert. Der Hibbelgnom wahrscheinlich auch. Krieg ich nicht so richtig mit, weil ich doppelt schockiert bin. Trägerzwerg und Finsterelf, das ungleiche Brüderpaar, sind gleich Feuer und Flamme für den Vorschlag. Vielleicht sollte ich mir so langsam mal ein paar neue Freunde suchen?
Gute Überlegung, schlechter Zeitpunkt. Nach dem Abendessen geht es zurück in unser Gästequartier. Bis auf die Silberritterin, die zu einer privaten Audienz bei Brysis eingeladen wird, aber recht schnell wieder bei uns ist. Am nächsten Morgen treffen sich ein paar Tall Hunters mit der Hausherrin im Trainingsraum. Ich bleibe erstmal hier und grübele. Derweil macht der Trägerzwerg irgendein Zauberritual aber mein Interesse daran ist nicht mehr so groß wie früher. Ich schleiche mich mal weg, während er abgelenkt ist und erkunde den Palast. Diese Nesserreichleute mögen ihre Bilder mit den Nackedeis. Und den Statuen. Faszinierend. Gut, dass mich niemand sieht, wie ich diese obszönen Darstellungen begutachte. Ich klettere sogar an den Statuen nach oben, das geht besser als über diese glatten Treppen und manche dieser Figuren sind so groß wie Cog und Tug. Mal sehen, ob ich zu dieser Kuppel da oben komme. Da hat man bestimmt einen guten Ausblick. Hey! Warum ist es plötzlich so dunkel?!
Zwischenspiel
Das Schicksal spielt mir in die Karten. Diese Barbaren aus einer möglichen Zukunft sind die verborgenen Trümpfe mit denen niemand rechnet. Ich vermute sie selbst wussten nicht, dass sie einen Tel’kiira bei sich trugen. Sonst hätten sie besser darauf aufgepasst, sie haben sich sonst recht umsichtig verhalten. Beides, die Barbaren und das Artefakt, werde ich für mich nutzen. Ich bekomme meine Rache und ich erhalte das Erbe meiner Mutter zurück. Falls mein Plan gelingt, wird es in den nächsten Jahren niemand wagen, gegen Haus Khaem vorzugehen. Ich darf keinen Fehler mehr machen – wie am gestrigen Abend, als ich sie zu direkt auf meine Pläne ansprach. Ich muss berücksichtigen, dass sie aus einer anderen Kultur stammen und nicht so brüsk agieren. Ja, ich kann dich hören Mutter. Ich versuche mich an deinen Rat zu erinnern.