Ruin
Wir stehen im Kreis, gefangen im uralten Teleportationszirkel der Villa Khaem. Die Luft schmeckt nach kaltem Stein und dem Vergessen von Jahrtausenden. Ich habe immer noch ein wenig Angst vor dem Trägerzwerg, der in seiner Riesenform nach wie vor wie ein zorniger Berg über uns aufragt. Alles wirkt verfallen; tiefe Risse ziehen sich wie Narben durch die Wände von Tante Brysis’ einst stolzem Heim. Ich beobachte, wie der Trägerzwerg den Boden prüft, den Neigungswinkel einschätzt und nach dem Gefälle einer abgestürzten fliegenden Stadt sucht – doch da ist keines, alles ist vollkommen eben, und seine Stirn legt sich in tiefe, verwirrte Falten. Kann es sein, dass diese Ruine nicht abgestürzt ist, sondern auf eine viel unheimlichere Weise tief in die Erde gepresst wurde?
Da der Weg versperrt ist, webt der Finsterelf seine Magie und verschwindet durch ein magisches Tor, um die tonnenschwere Sicherheitstür von der anderen Seite zu öffnen – und tatsächlich, mit einem ächzenden, jahrtausendealten Knurren gibt der Mechanismus nach. Wir folgen dem dunklen Gang und treten hinaus auf einen Abgrund, der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt: Vor uns erstreckt sich das sprichwörtliche Nichts, ein zweihundert Fuß breites Chaos aus wirbelnden, schwebenden Trümmerteilen, die in einer unnatürlichen Gravitation tanzen. Der Finsterelf und Tante Brysis erheben sich in die Luft, um die andere Seite auszukundschaften, während wir am engen Rand des Ganges zurückbleiben, fast erdrückt von der massiven, unhandlichen Gestalt des Trägerriesen. Warum fühlt sich die Luft hier plötzlich so elektrisch an, als würde das Gewebe der Welt selbst gleich zerreißen?
Und dann kommt der Sand. Er rieselt nicht einfach von der Decke, er jagt aus den Ritzen des Steins, und gesichtslose Jäger aus wirbelndem Glas und Wüstenstaub formieren sich in unserem Rücken. Als die Magie fließt, um sie abzuwehren, schlägt das verformte Eileanar zurück; die Umgebung verzerrt unsere Zauber, als hätte das Gewebe der Magie hier Fieber. Immer mehr dieser grobkörnigen Kreaturen schälen sich aus der Dunkelheit, bis der Finsterelf die Geduld verliert und einen Feuerball mitten in den engen Gang schleudert – die schreckliche Gefahr in Kauf nehmend, uns alle zu verbrennen. Doch das flammende Risiko zahlt sich aus: Die mörderische Hitze verglast die Sandmonster, überzieht sie mit einer starren Schicht aus sprödem Obsidian und schenkt uns den Bruchteil eines Herzschlags zur Flucht. Reicht ein gläserner Käfig aus, um den Zorn der Elemente aufzuhalten?
Wir rennen. Wir springen hinein in das wirbelnde Trümmerfeld, und jeder Schritt ist ein Tanz auf dem Vulkan. Manche wagen den riskanten Sprung von Fels zu Fels, andere versuchen die magischen Ströme der Gravitation wie eine Welle zu reiten, während der Rest verzweifelt versucht, den Rhythmus der mahlenden Steine zu lesen. Wer den Halt verliert, stürzt nicht in die Unendlichkeit, sondern prallt schmerzhaft gegen die tieferen Ebenen des Trümmerfelds, den Körper voller blauer Flecken, während über uns ein Splitterregen detoniert und statische Entladungen unsere Haut versengen. Die Tall Hunters bemühen sich tapfer, auf die andere Seite zu kommen. Alle bis auf mich. Ich bin wie ein Blatt im Wind. Oder habe ich mich an den Trägerriesen geklammert?
Nicht so wichtig. Keuchend erreichen wir die andere Seite und retten uns in ein Tunnellabyrinth wie kleine Mäuse in Käselöcher – laut Brysis die alten Versorgungsschächte, die tief im Fundament der fliegenden Stadt gelegen haben. Doch hier gibt es keine Sicherheit, nur schwereren Stein: Zwei riesige Gargoyles mit blitzenden, obsidianharten Krallen stürzen von der Decke, flankiert von einem monströsen, blitzdurchzogenen Golem, dessen steinerner Körper die statische Elektrizität des Raumes gierig aufsaugt. Der Kampf ist brutal und fordert sofort seinen Tribut: Ein markerschütternder Treffer fegt den Finsterelfen von den Beinen, und er sinkt leblos zu Boden, bis der Hibbelgnom reagiert und ihn mit einer seiner treffsicheren Heilspritzen im letzten Moment zurück ins Leben reißt. Während der Riesenkobold mit flammendem Mut einen der Gargoyles in Stücke schlägt, werfen sich die Silberprinzessin und der riesige Trägerzwerg mit schierer Verzweiflung gegen den unaufhaltsamen Blitzgolem. Wir stehen mitten im Staub, das Summen der Magie tut in den Ohren weh, und der Golem hebt erneut seine elektrisch aufgeladenen Fäuste – werden wir diesen finsteren Tunnel jemals wieder lebend verlassen?