Von Jägern und Gejagten


Wir verbringen den Tag in den Hallen von Noanar’s Hold. Anselma ist zurück vom White Hart Inn. Während sie mit ihrer Kriegshacke ein paar der zugemauerten Fenster wieder öffnet, erzählt sie, dass mit den Pferden und dem Karren alles in bester Ordnung sei. Im Gegensatz allerdings zu den drei Brüdern, den anderen Gästen im Wirtshaus. Es sind jetzt nur noch zwei Brüder. Einer sei beim der Jagd auf Hügelriesen gefallen. Die übrigen beiden sinnen auf Rache und wollen heute wieder in die Wälder ausreiten.

Die Gemeinschaft der Flüchtlinge aus dem Unterreich wartet auf die kommende Nacht. Diesmal werden die untoten Reiter und Herren von Noanar’s Hold in meinem heiligen Feuer vergehen. Ich freue mich, dass meine sterblichen Begleiter die Wichtigkeit und Bedeutung des Kampfes gegen die Fäulnis und Verderbnis von finsterer Nekromantie so deutlich erkennen. Auch in dem trübsinnigen Elfenmagier ist bestimmt noch ein Glimmen des ewigen Feuers seines Volkes vorhanden und wird ihn - über kurz oder lang - sicher auf den Pfad zum Licht führen.

Wir warten also. Daran sind wir ja gewöhnt. Alle bis auf Anselma. Ihr ist langweilig und sie öffnet noch ein paar der zugemauerten Fenster. Mit etwas Tageslicht wird es gleich schon heimeliger. Das Kleinholz einer Schatzkiste liegt herum. Anselma hatte die Kiste gestern Nacht mit ihrer magische Waffe auf die gleiche unnachahmliche Art geöffnet wie jetzt die Fenster. Ein seltsamer Beutel mit Münzen, ein paar Edelsteine und eine etwas schäbiger Mantel mit jeder Menge Flicken zogen die Leute aus den Trümmern. Für den Kleidungsfetzen interessierte sich Paggen. Passt zu ihm.

Amraths Robe

Viele Spinnweben und ganze Haufen vertrockneter Blätter, Tannenzapfen und Nadeln der Wälder in den Ecken zeigen eine gewisse Naturverbundenheit der bisherigen Bewohner. Oder Faulheit. Einmal feucht durchwischen und aus dieser kleinen Burg könnte etwas werden, sinniere ich so vor mich hin. Wäre da nicht dieses dunkle Pulsieren aus der Gruft unten im Keller. Eine Präsenz wie im Unterreich, als wir dem Demogorgon nur knapp entkommen sind oder als wir vor dem Yggmorgus standen! Nicht gut.

Ich denke zurück an vergangene Nacht, bevor wir die kleine Burg durchsucht hatten. Meister Oda-Nobunaga stand mit meiner strahlenden Klinge auf dem Vorplatz der kleinen Burg von Noanar’s Hold. Wir waren bereit für den Kampf. Den Kampf gegen die untoten Reiter. Leider war im Nebel alles blendend weiß um uns herum. Ob hell oder dunkel, es war nicht viel zu erkennen. Und so bemerkte der drachengeborene Ritter nicht, wie sich Amrath Mulnobar anschlich. Der Zwerg packte Snake Eyes von hinten und zog ihn zurück in den Vorraum der Burg. Klackernd fielen zwei Fallgatter herab und wir waren im Vorraum gefangen. Grinsend hob der Kastellan auf der anderen Seite des inneren Gitters eine schwere Armbrust und feuerte Bolzen um Bolzen auf den eingesperrten Drachengeborenen.

Draußen begann der Kampf. Anselma zeigte ein bemerkenswertes Geschick in Nebel und Dunkelheit die Reiter aufzuspüren. Ihre Kriegshacke fand ein ums andere Mal ihr Ziel. Mehrere Reiter suchten Deckung im nahen Wald und ließen Pfeile auf die Gefährten regnen. Maeral wehrte mit einem magischen Schild die Salven ab. Um gleich darauf einen Feuerball im inneren der Burg explodieren zu lassen, um den Herrn Mulnobar daran zu hindern den Herrn Daardendrien mit noch mehr Bolzen zu spicken. Dieser nutzte die Feuerpause und mit der übermenschlichen Kraft seiner Ahnen, den echten Drachen, hob er das schwere Fallgatter zum Vorplatz an. Das zog die Aufmerksamkeit der hinterhältigen Reiter auf sich. Anstatt Bolzen aus dem Burginneren waren es jetzt Pfeile von Draußen, die auf Snake Eyes herabregneten. Gumba warf sich gegen eine der offenen Doppeltüren um dem Drachengeborenen etwas Deckung zu verschaffen, während dieser das Gatter mit großer Anstrengung oben hielt. Alle Gefährten huschten ins Innere. In Deckung. Mit einer interessanten Konstruktion aus Pömbel und Sprungfeder schloss Paggen den verbliebenen, offenen Flügel der Außentür. Erstmal sicher vor den Pfeilhageln.

Während Paggen sich um die Verletzungen von Meister Oda-Nobunaga kümmerte, teleportierte Maeral durch das zweite Gatter auf die andere Seite und ins innere der kleinen Burg. Mit einer Kurbel und der Hilfe von Anselma gelang es den beiden das innere Gatter nach oben zu bewegen und zu befestigen. Der Weg in die Burg war frei! Doch nicht ungefährlich! Das zeigten die Wurfäxte, die auf Maeral geschleudert wurden. Der Kastellan gab noch nicht auf! Oder doch? Kaum hatten die Gefährten ihre Waffen aufgenommen, um den hinterlistigen Zwerg zu stellen, ergab sich dieser. Doch er wirkte kaum besiegt oder niedergeschlagen. Er beschuldigte uns des Mordversuchs, des Landfriedensbruchs, des Einbruch sowie Raub und Nötigung! Der hatte es nötig!

Amrath Mulnobar

Meine Gedanken kehren ins hier und jetzt zurück. Mein Blick fällt auf den gefesselten Zwerg. Ich werde Meister Oda-Nobunaga vorschlagen gleich heute zur Mittagsstunde den Richterspruch zu fällen. Dem abscheulichen Untoten-Kollaborateur vor allen Augen mit meinem heiligen Feuer von seiner Schuld zu reinigen und seiner Seele eine Möglichkeit zur Buße zu geben. Ja, so wollen wir es machen!

Und anschließend werden wir die Untoten vernichten! Fiat Lux!